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„Ich schätze, dass 70 Prozent der Fachwerkhäuser saniert werden müssen“

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Heiko Jörns verlässt mit seinem Geschäft die Einbecker Innenstadt. Im zweiten Teil des Interviews spricht er über den Sanierungsbedarf in vielen Fachwerkhäusern, den Einfluss des Denkmalschutzes und die Rolle der Stadtverwaltung. Seine Warnung: „Wenn wir nicht aufpassen, dann sieht es im Stadtkern bald ähnlich schlecht aus wie in Northeim, Bad Gandersheim oder Seesen.“


Sie kritisieren die Aufenthaltsqualität in der Marktstraße – ist das ein Problem der ganzen Innenstadt?
Definitiv. Das Pflaster in der Fußgängerzone ist marode. Auch die Möblierung ist katastrophal. Hinzu kommt, dass es immer wieder aus der Kanalisation stinkt. Solche Faktoren entscheiden darüber, ob man sich gern im Zentrum aufhält oder nicht.

Wo sehen Sie noch Schwierigkeiten?
Ich schätze, dass 70 Prozent der Fachwerkhäuser dringend saniert werden müssen. Oft haben die Eigentümer seit 40 Jahren sehr wenig investiert, sodass die Instandsetzung inzwischen kaum noch bezahlbar ist. Viele Besitzer haben offenbar gedacht: Ei…

„Am alten Standort hätte ich nur verlieren können“

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Einbecks Zentrum hat ohnehin ein Leerstands-Problem. Nun zieht mit dem Weinhaus Jörns ein traditionsreiches Geschäft aus der Fußgängerzone an die Saalfeldstraße in die Nähe großer Einkaufsmärkte. Im Interview erklärt Inhaber Heiko Jörns die Gründe.


Wieso verlassen Sie mit Ihrem Geschäft die Innenstadt?
Das Haus in der Marktstraße gehört mir nicht, ich habe es seit unserem Start vom vorherigen Inhaber gemietet. Im August 2019 hat mit der Besitzer mitgeteilt, dass er das Gebäude verkauft. Im ersten Moment war ich wie vor den Kopf gestoßen, denn ich hatte nicht gewusst, dass sich die Entscheidung anbahnt. Danach hatte ich keine andere Möglichkeit, als mich nach einem neuen Standort umzusehen.

Hätten Sie das Haus gern selbst gekauft?
Nein. Mit diesem Gedanken hatte ich mich auch schon beschäftigt. Deshalb habe ich in den vergangenen Jahren von mehreren Architekten schätzen lassen, wieviel Geld ich in das alte Fachwerkhaus stecken müsste, um es dauerhaft als Geschäft zu nutzen. Das Ergebnis…

„Die Kuventhaler wollen ihren Ort gemeinsam gestalten“

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Das Soziologische Forschungsinstitut (SOFI) Göttingen hat in einem mehrmonatigen Projekt die Lebensverhältnisse in vier südniedersächsischen Dörfern aus den Landkreisen Northeim, Goslar, Holzminden und Göttingen untersucht. Zu den ausgewählten Orten gehörte Kuventhal. Maike Simmank, wissenschaftliche Mitarbeiterin am SOFI, schildert ihre Beobachtungen.

Welchen Eindruck hatten Sie während Ihres Forschungsprojekts von Kuventhal? Ich habe die Stimmung als positiv und lösungsorientiert erlebt. An unserem Dorfspaziergang mit dem Heimatpfleger haben rund 70 Personen teilgenommen, davon mehr 40 aus dem Ort selbst. In einem 200-Einwohner-Dorf hatten wir eine so hohe Beteiligung nicht erwartet. Meine Wahrnehmung war: Die Kuventhaler fühlen sich verantwortlich und wollen ihren Ort gemeinsam gestalten.  
Was haben Sie während des Spaziergangs erfahren?
Einwohner aus allen Generationen haben die hohe Lebensqualität, die schöne Lage in der Natur und das aktive Vereinsleben gelobt. Die Aussagen wirk…

„Wir brauchen mehr Investitionen in den ländlichen Raum“

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Wie steht es in Zeiten des demografischen Wandels mit gleichwertigen Lebensverhältnissen auf dem Land? Diese Frage hat das Soziologische Forschungsinstitut (SOFI) Göttingen in vier Dörfern Südniedersachsens untersucht. Im Interview berichtet Maike Simmank, wissenschaftliche Mitarbeiterin am SOFI, was die Bewohner an ihren kleinen Orten schätzen – und wo die Probleme liegen.

Sie wollten herausfinden, ob gleichwertige Lebensverhältnisse auf dem Land mehr sind als eine schöne Idee. Wie sind Sie vorgegangen? In unserem Forschungsprojekt haben wir uns auf vier  kleine Ortschaften in den südniedersächsischen Landkreisen Göttingen, Northeim, Holzminden und Goslar konzentriert. Das kleinste Dorf, Kuventhal, zählt rund 200  Einwohner. Im größten Ort, Kirchbrak im Landkreis Holzminden, leben knapp 1.000 Menschen. Unter dem Motto „SOFI geht aufs Land“ haben wir zu insgesamt drei öffentlichen Veranstaltungen eingeladen, um mehr über den Alltag zu erfahren. Zusätzlich haben wir bei einem Forschung…

„Die typische Innenstadt wird es schwer haben“

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Die Bürgerinitiative Sch(l)aufenster Einbeck setzt sich seit sechs Jahren für ein besseres Stadtbild ein. Im zweiten Teil des Interviews spricht Vorsitzender Hans-Jürgen Kettler über die Schwierigkeiten der Mittelzentren, Hemmnisse durch den Denkmalschutz und fehlendes Leerstandsmanagement. Er sagt: „Auf dem Land ist für die Generation der Schulabgänger nicht genügend los.“

Als Vorsitzender der Schlaufenster-Initiative bemühen Sie sich, ungenutzte Ladenlokale zu verschönern. Wie kommt es überhaupt, dass Hauseigentümer teils jahrelangen Leerstand in Kauf nehmen?
In manchen Fällen mag es an überzogenen Mieterwartungen liegen – das kann ich nur vermuten. Eine andere Möglichkeit – ich formuliere bewusst vorsichtig: Kann es sein, dass manche Eigentümer schlicht zu viel Geld haben und die Miete nicht brauchen? Bei der ganzen Diskussion darf man nicht vergessen, dass das Problem keineswegs nur Einbeck, sondern viele Mittelzentren betrifft. Schauen Sie nach Northeim oder selbst nach Goslar, d…

„Uns gehen langsam die Fenster aus“

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Hans-Jürgen Kettler ist Vorsitzender der Bürgerinitiative Sch(l)aufenster Einbeck. Grundidee ist es, leerstehende Schaufenster zu dekorieren und so das Stadtbild zu verbessern. Im Interview zieht Kettler Bilanz und kritisiert die mangelnde Kooperationsbereitschaft etlicher Eigentümer.


Wie kommt es, dass Sie in Einbeck zum „Mister Schlaufenster“ geworden sind?
Kettler (lacht): Damit Sie meine Antwort verstehen können, muss ich Ihnen zunächst einmal erklären, wie es überhaupt zu der Bezeichnung „Sch(l)aufenster“ kam – denn der Begriff existiert ja so nicht im Duden. Dazu gehört das Wortspiel: „Vom Graufenster über das Sch(l)aufenster zum wieder vermieteten Schaufenster“. Und es ist die Geschichte einer inzwischen aufsehenerregenden Bürgerinitiative.

Die Sie gegründet haben?
Nein, es war ein Gemeinschaftsprojekt. 2015 bin ich nach 47 Jahren Arbeit in den Ruhestand gegangen. In den Jahrzehnten davor habe ich mich um meinen Beruf, meine Kinder und meine älter werdenden Eltern gekümmert. Für…

„Die Probleme stärker ins Bewusstsein rücken“

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In Einbeck haben immer Rentner nicht genug Geld, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das kritisiert Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler im Interview. Er erklärt, was die Kirche unternimmt, welche Handlungsmöglichkeiten der Staat hat und warum er sich angesichts der Corona-Pandemie um die Zukunft sozialer Projekte sorgt. 

Was kann man gegen Altersarmut tun? Wir als Kirche haben uns als erstes Ziel gesetzt, die Probleme stärker ins Bewusstsein zu rücken. Bisher ist vielen noch nicht klar, welch große Veränderung uns mit dem demografischen Wandel bevorsteht. Im Landkreis Northeim beispielsweise kamen 2017 noch 44 Rentner auf 100 Erwerbstätige, 2030 werden es 64 Rentner sein. Trotzdem muss es uns gelingen, die Älteren gut zu versorgen ohne die Jüngeren zu überfordern. Das ist eine riesige Herausforderung, für die noch niemand den Königsweg gefunden hat.
Welche Lösung könnten Sie sich vorstellen?
An höheren Zuschüssen zur Rentenversicherung wird aus meiner Sicht kein Weg vorbei fü…

Sozialarbeiter Marco Spindler: Altersarmut nimmt in Einbeck zu

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Immer mehr Seniorinnen und Senioren haben so große Geldsorgen, dass sie fachkundige Hilfe suchen – das berichtet Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler. Im Interview spricht er über die Ursachen der Not, ihre sozialen Folgen und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen.


Sie warnen vor wachsender Altersarmut – auch in Einbeck. Woran machen Sie das fest?
In unserer Sozialberatung zählen wir immer mehr Menschen im Rentenalter. Inzwischen sind es 25 Einzelpersonen oder Familien über 60 Jahren, die regelmäßig bei uns sind – Einzelbesuche nicht mitgerechnet. Früher war es die Ausnahme, dass Senioren mit Geldsorgen zu uns kamen. Doch in den letzten Jahren nimmt die Zahl kontinuierlich zu. Ich befürchte, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Warum?
Die geburtenstarken Jahrgänge verlassen das Arbeitsleben, sodass die Zahl der Ruheständler bis 2030 deutlich steigt. Gleichzeitig ist damit zu rechnen, dass das gesetzliche Rentenniveau weiter sinkt. Für eine ausreichende private Vorsorge fehlt viele…

„Unsere Stadtspaziergänge finden Nachahmer“

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Mit dem Projekt „3.000 Schritte für mehr Gesundheit“ hat der Einbecker Lions-Club ein regelmäßiges Bewegungsangebot speziell für Seniorinnen und Senioren etabliert. Im Interview erklärt Mit-Initiator und Lions-Mitglied Lutz Voss, wie die Idee entstanden ist, wie das Angebot funktioniert und warum es zum bundesweiten Vorzeigeprojekt wurde.


Seit 2017 bieten Sie jede Woche einen Spaziergang für Senioren an. Wie kam es dazu?
Als ehemaliger Geografielehrer beschäftige ich mich schon lange mit der Bevölkerungsentwicklung. Eine wichtige demografische Veränderung in Deutschland: Die Gruppe der Älteren wird in den nächsten Jahrzehnten immer größer, gerade bei uns in Südniedersachsen. Ich finde es deshalb konsequent, dass wir Lions als Service-Organisation uns verstärkt auch um Senioren kümmern. Aus dieser Überlegung ist vor fünf Jahren die Idee für das neue Angebot entstanden. Damals war ich District Governor der Lions und habe meine einjährige Amtszeit genutzt, um das Konzept voranzubringen. …

Senioren-Wohnpark startet trotz Corona den Betrieb

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Die offizielle Eröffnungsfeier wurde wegen des Corona-Virus abgesagt – dennoch beginnt der neue Senioren-Wohnpark in der Südstadt den Betrieb. „Der erste Mieter zieht am 28. März ein, die nächsten folgen im April“, berichtet Parkleiterin Tanja Pfeiffer. Auch die Tagespflege werde zum April eröffnen.


„Im Moment sind wir dabei, insgesamt zehn Mietverträge zu schließen“, so Pfeiffer. Weitere Mietverhältnisse seien „in Klärung“. Ziel sei es, bis zum Jahresende die 24 Apartments in Wohngemeinschaften sowie die Hälfte der 87 Service-Wohnungen zu vermieten. Pfeiffer betont, dass im Seniorenpark alle Hygienestandards des Robert-Koch-Instituts beachtet würden. Dennoch werde die Corona-Welle neue Interessenten vermutlich nicht zu einem Umzug ermuntern. „Es bremst uns etwas aus.“


Betreiber Convivo hat nach Pfeiffers Angaben bisher 23 Beschäftigte für den Standort Einbeck eingestellt, davon 8 Pflegekräfte. Interessenten gebe es trotz Fachkräftemangels in der Pflege genug. „Wir haben einen hohen …